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Harald Kaiser

14.09.2017

AN ALLE SUPERREICHEN...

…die dringend einen Adrenalinschub brauchen: Bald kommt der Formel 1-Mercedes für die Straße.

Sie wissen wieder einmal nicht wohin mit dem Geld? Zwei, drei Villen in schönsten Lagen, eine große Yacht und ein mittelgroßer Jet befriedigen zwar Ihre Grundbedürfnisse, langweilen Sie aber? Und auch eine Reihe scharfer Schlitten stehen sich die Reifen platt in Ihrer Großgarage? Was also tun, um Ihren Puls mal wieder auf Touren zu bringen? Etwa einen Bugatti kaufen? Nö, den hat doch inzwischen jeder normale Autospinner mit unzähligen Millionen auf dem Konto. Irgendwie ist so ne Kalesche beinahe schon zu piefig. 

Okay, das aktuelle Model Chiron ist zwar einigermaßen beeindruckend. Der 16-Zylinder-Motor mit acht Litern Hubraum erzeugt 1500 Pferdchen, die ziemlich der Hafer sticht und die für etwa 420 km/h Spitze gut sind. Verbrauch? Die durchschnittlich 22,5 Liter auf 100 Kilometer interessiert niemanden. Preis? Auch nicht. Wenn die knapp 2,9 Millionen Euro über der Platin Card abgebucht werden, dann ist das zum einen eine kaum wahrnehmbare Aktion etwa vier Stellen hinter dem Komma Ihres Megavermögens. Und zum anderen ein kaum wahrnehmbares Kurzzeiter-lebnis, ähnlich wie die Beschleunigung des Chiron von 0 auf 100 km/h in nur 2,5 Sekunden. Die Kohle ist halt nach einem Augenzwinkern einfach weg – und man hat es wie die Groschen eines Normalverdieners für die Frühstücksbrötchen nicht gespürt. Exklusiv ist der Ultra-Flachmann allerdings nur so halbwegs. 220 Bestellungen sind bereits eingegangen, 500 Autos sollen gebaut werden. Das ist ja fast wie beim Bieder-Bruder VW Golf, eine Massenkiste, die man an jeder Ecke sieht. Denn Bugatti zählt ja zum Reich von Volkswagen.

Also, wenn Sie der Edel-VW nicht in Wallung bringt, dann hätten wir einen Tipp, sofern es Ihr Herzenswunsch ist, mit Ihrem nächsten Mega-Hobel nicht an einer Schicki-Micki-Hummer-Schlemmerbude oder an der Tanke vom gleichen Modell ausgebremst und blamiert zu werden. Man will ja schließlich nicht in einem dieser Allerweltsmobile gesehen werden. Sie haben also Interesse? Dann müssen Sie jetzt stark sein und sich noch einige Zeit gedulden, was in Ihren Kreisen allerdings ein wenig verbreitetes Charaktermerkmal ist. Sie müssen warten auf das „Project One“ von Mercedes. Genauer gesagt von der Mercedes-Tochter AMG. Das ist die PS-Zuchtstation der braven Schwaben.

Was dort seit einiger Zeit heranreift und leider erst Ende 2018/Anfang 2019 auf die Straße gelassen werden soll, lässt Kenner mit der Zunge schnalzen und den Turbo in der Brust hochdrehen: ein verkleideter Formel 1-Rennwagen mit Straßenzulassung. Nur 275 handverlesene Kunden sollen in den Genuss kommen, mit dieser automobilen Potenz protzen zu dürfen (weil die eigene womöglich inzwischen erschlafft ist). Auf der gerade eröffneten Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt ist dieser Hypersportwagen jetzt enthüllt worden. Der eine oder andere Superreiche wurde natürlich schon vorab darüber informiert, was da mit Allradtechnik dereinst über die Straßen pfeifen wird wie ein tieffliegender Kampfjet. Sie etwa nicht? 

Okay, Vierradantrieb hat der Bugatti auch. Was der aber nicht besitzt, sind neben dem herkömmlichen Benzintriebwerk noch vier Elektromotoren, einer pro Rad, mit jeweils 163 PS. Macht zusammen 652 scharfe Rennpferde, die in Nullkommanichts aus dem Stand und ohne zeitraubende Umwege der Kraft (wie beim Bugatti über Kupplung und Kardanwelle) sofort los galoppieren, wenn sie die Peitsche spüren. Und die bei der natürlich halbstark wirkenden Beschleunigungsorgie an der Ampel wohl Asphalt-brocken aus der Straße reißen. Es ist, kurz gesagt, wie das Lichteinschalten, was den Schwabenpfeil beim Sprint-Duell allein schon einen Hauch schneller machen dürfte als den Bugatti. Hinzu kommt noch einmal so viel Turbopower, die der zum Bersten hochgezüchtete 1,6-Liter-Benziner mit sechs Zylindern beisteuert. AMG sagt, das Auto ist ein echter „Performance-Hybrid, der den Höhepunkt des derzeit technologisch Machbaren markiert“. Zusammen also etwa 1200 bis 1300 PS.

Gut, das sind nicht ganz so viele austrainierte Vierbeiner wie sie beim Bugatti im Futter stehen. Dafür ist das automobile Gesamtkunstwerk von Mercedes aber weitaus exklusiver. Schließlich hat man mit dem „Project One“ dann einen Schlitten unterm Hintern, dessen Antriebstechnik weitgehend dem Mercedes Formel 1-Rennwagen des Jahres 2015 entspricht. Schärfer geht’s derzeit nicht in der Kategorie der Straßenraketen, für deren Bedienung wohl ein Waffenschein nötig ist. Wer will, kann den Verbrennungsmotor auch schlummern lassen (die Grünen dürften jubilieren) und abgasfrei nur mit Elektropower rumsurren. Das läuft bis auf das Abrollgeräusch der Reifen weitgehend lautlos. Allerdings ist die Reichweite überschaubar. Nach maximal 25 Kilometern akustischer Schleichfahrt mit Strom brüllt das benzinbetriebene Renntriebwerk automatisch los, um sowohl die Weiterfahrt zu ermöglichen wie auch die Akkus mit Hilfe des eingebauten Generators wieder aufzuladen. 

Für alle superreichen Autonarren, denen jetzt der Zahn tropft und die Besitzgier verspüren, hier ist die Bestelladresse, um den schnöden Mammon loszuwerden: Mercedes-AMG GmbH, Daimlerstraße 1, 71563 Affalterbach, Rufnummer: +49 (0) 7144 – 302 0, E-Mail: marketing-amg@daimler.com. Derzeit ist die Rede von etwa drei Millionen Euro für den ultimativen Angeberschlitten. Also Klimpergeld aus der Portokasse für die Brötchen.

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Harald Kaiser

Harald Kaiser ist mit fast 67 nun am Abstellgleis angekommen. Auf dem Rangierbahnhof des Lebens waren seine wichtigsten Haltestelle diese Stationen: Sportreporter auto motor und sport, Technikreporter hobby, Stellv. Chefredakteur Auto Zeitung, Chefredakteur hobby, Geschäftsf. Redakteur und Chefredakteur TopBusiness und gut 23 Jahre Ressortleiter und Autor beim stern für die Bereiche Auto+Technik. Nun befindet er sich in der Phase des edlen Verwelkens, also zwischen gepflegt aussehen und gepflegt werden.