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Hannes Rügheimer

08.10.2017

Wie autonom darf's denn sein? Das steckt hinter den 6 Autonomie-Levels

Der neue Audi A8 ist also fürs hochautonome Fahren nach „Level 3“ vorbereitet. Aktiv ist die Funktion noch nicht – sie soll später per Softwareupdate freigeschaltet werden, wenn nicht zuletzt die dafür erforderlichen gesetzlichen Rahmenbedingungen vorliegen. Und auf den Ständen der IAA 2017 konnte man jede Menge Showcars bewundern, die zeigen, wie sich die Hersteller das Drumherum von „Level 4“ und „Level 5“ vorstellen. Der in den Pressemitteilungen und Messepräsentationen so lässig dahingesagte Slang wirft allerdings die Frage auf: Level was? 

Einheitliche Definition in Europa und den USA

Für ihre schrittweise Annäherung ans vollautonome Fahren hat Autoindustrie den Grad an Autonomie in verschiedene Stufen eingeteilt – die viel zitierten Autonomie-Levels. Die Definition gibt es schon seit einigen Jahren, und sie ist auch für Europa und die USA einheitlich. Sogar als Basis für die Gesetzgebung rund ums hochautomatisierte und vollautonome Fahren hält sie her.

Level 0 bis Level 2 – von der Isetta bis zur aktuellen Mittelklasse

Nach dieser Übereinkunft sind die einzelnen Stufen oder „Level“ folgendermaßen definiert:

Level 0 entspricht dem klassischen Autofahren. Der Fahrer allein lenkt, gibt Gas, bremst und reagiert auf seine Umgebung. Sofern überhaupt Computer an Bord sind, haben sie mit der eigentlichen Bedienung des Fahrzeugs nichts zu tun.

Level 1 steht für einzelne, isolierte Assistenzsysteme. Ein klassisches Beispiel ist der Abstandsradar – auch ACC („Adaptive Cruise Control“) genannt. So ein Level-1-System ist bereits um einiges intelligenter als etwa ein einfacher Tempomat, der nur stier die eingestellte Geschwindigkeit hält – sich aber nicht davon beeindrucken lässt, ob er damit beispielsweise dem Vordermann ins Heck fährt. Beim ACC-System regelt der Computer die Geschwindigkeit auf Basis des Abstands, den er mit Hilfe von Radarsensoren misst.

Bei Level 2 sind bereits konkrete Bedienfunktionen automatisiert. Dazu wirken in der Regel mehrere Level-1-Syteme zusammen. Ein typisches Beispiel ist ein Spurhalteassistent. Der hält den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug wie beim ACC-System, erkennt aber gleichzeitig mit einer oder mehreren Kameras die Spurführung auf der Straße und steuert das Lenkrad so, dass das Fahrzeug die Spur hält. Auch Staufolgefahren, bei dem sich die Fahrzeugsysteme an Geschwindigkeit UND Fahrrichtung des Vordermanns orientieren, zählen zu dieser Kategorie. Ein weiteres Beispiel sind automatische Einparkfunktionen – allerdings nicht der Parkassistent, bei dem der Fahrer Gas gibt oder bremst, sondern Systeme, mit deren Hilfe das Fahrzeug (etwa von außen per App gesteuert) allein in die Parklücke oder Garage manövriert. Charakteristisch für Level 2 ist, dass das Fahrzeug in solchen definierten Situationen selbstständig steuert, beschleunigt oder bremst.

Level 3 bis Level 5 – die Zukunft kündigt sich an

Level 3 steht bereits für Hochautomatisierung. Hier kann etwa ein Autobahnassistent das Fahrzeug über längere Zeit selbstständig über die Strecke führen. Gegebenenfalls zählen dazu auch Spurwechsel oder Überholvorgänge samt der vorherigen Ankündigung durch Setzen des Blinkers. Solange solche Level-3-Assistenzfunktionen in Betrieb sind, braucht der Fahrer das Auto nicht ständig zu überwachen. Sein Fahrzeug übernimmt die Fahraufgabe in einer definierten Umgebung für eine bestimmte Zeit. Allerdings muss sich der Fahrer bereithalten, innerhalb einer Vorwarnzeit wieder die Kontrolle zu übernehmen.

Level 4 ist dann schon Vollautomatisierung und somit noch Zukunftsmusik. Werden erste Fahrzeuge diese Autonomie-Stufe erreichen, kann der Computer die Kontrolle dauerhaft innehaben. In solchen Fahrzeugen soll der Fahrer die Steuerung nur noch in Ausnahmefällen übernehmen – oder natürlich, wenn er Lust dazu hat (und der Hersteller solche spontanen Ausbrüche von Freude am Selbst-Fahren auch mit seinen Bedien- und Steuerungssystemen unterstützt). Diese klare Unterscheidung zwischen automatisiertem und vom Menschen gesteuertem Fahren wird sich auch in den Bedienkonzepten niederschlagen – beispielsweise durch einklappbare oder motorisch ein- und ausfahrende Lenkräder. In Level-4-Fahrzeugen sind diese Bedienelemente aber zumindest noch grundsätzlich vorhanden.

Bei Level 5 soll sich auch dies ändern. In dieser Stufe ist der Mensch als Fahrer nicht mehr gefragt und soll sich ganz auf die Rolle als Passagier einlassen. Beispiele sind die in USA in Erprobung befindlichen Google-Cars sowie jede Menge Konzeptstudien für vollautonome Robotertaxis und Kabinen-Beförderungssysteme. Charakteristisch für Level 5 wird sein, dass diese Fahrzeuge gar kein Lenkrad oder andere Bedienelemente zur Steuerung des Fahrzeugs mehr besitzen. Dies ist allerdings derzeit noch so eindeutig Science-Fiction, dass Branchenkenner das Erreichen dieser Stufe nicht vor 2025 erwarten – tendenziell eher noch später.

 

Übrigens: Unsere befreundete Plattform Intelligente-Welt.de hat alle sechs Autonomie-Level in einem prägnanten Erklärvideo umgesetzt. Vorbeischauen lohnt sich.

 

Bilder unten:

Audi Presse (3), David Paul Morris/Bloomberg via Getty Images (Tesla), Lothar Spurzem (Isetta, CC BY-SA 2.0 DE), Altair78 (Mercedes, CC BY 2.0), Slashgear (BMW, YouTube/gear.xyz)


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Hannes Rügheimer

Neben seiner Liebe zum Auto hat Hannes jede Menge Wissen im Bereich IT, Mobilfunk, Telematik und so weiter. Wenn eines der vielen Systeme, die es heute im Auto gibt, nicht tut, wie es soll: Hannes bringt es meist doch irgendwie zum Laufen. Deshalb hat sein privater Pkw auch so ziemlich alles, was es an Assistenz- und Infotainment-Systemen gibt.