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Hannes Rügheimer

04.06.2017

Kursbestimmung – eine Roadmap zum autonomen Fahren

In ihren Roadmaps sind sich die meisten Autohersteller einig. Demnach befinden wir uns derzeit in der Entwicklungsphase „teilautomatisierten“ Fahrens. Im Stau auf der Autobahn können aktuelle Fahrzeuge ab der oberen Mittelklasse dem Vordermann bereits selbstständig folgen und dabei sowohl das Gasgeben und Bremsen als auch das Lenken übernehmen. Abstandstempomaten und Spurhalteassistenten sind ohnehin schon weit verbreitet. 

Und einige Fahrzeuge und Systeme beherrschen – zumindest in der vergleichsweise klar definierten Umgebung auf Autobahnen – sogar schon automatisierte Spurwechsel und Überholvorgänge. Juristisch und technisch entscheidend ist jedoch, dass der Fahrer diese Assistenten ständig überwachen muss. Denn er muss sich ständig bereithalten, die Kontrolle des Fahrzeugs bei Bedarf sofort wieder zu übernehmen. Die Assistenten mögen von langweiligen Routineaufgaben wie Stop-und-Go-Betrieb im Stau oder zähflüssigen Verkehr entlasten. Aber abschalten und sich anderen Beschäftigungen widmen darf der Fahrer trotzdem nicht.

Autonomie mit Vorwarnzeit für den Fahrer

Etwa ums Jahr 2020 soll als nächste wichtige Entwicklungsstufe die Phase „hochautomatisierten“ Fahrens erreicht sein. Dann soll die schrittweise Evolution der Assistenzsysteme nach Vorstellung der Autoindustrie die Systeme soweit fortgeschritten sein, dass der Fahrer die Fahraufgabe über längere Phasen ans Auto abgeben kann. Erst dann profitieren Autofahrer wirklich von der Automatisierung – denn zumindest vorübergehend dürften sie sich aus dem Verkehrsgeschehen ausklinken und beispielsweise ganz offiziell E-Mails lesen. Das Auto müsste dem Fahrer eine angemessene Vorwarnzeit lassen – die Rede ist derzeit von 20 bis 30 Sekunden –, bevor er nach Aufforderungen durchs Fahrzeug wieder die Kontrolle übernehmen muss.

Auch diese Entwicklung wird aller Voraussicht nach stufenweise stattfinden – vermutlich werden die erst hochautomatisierten Fahrsysteme wieder nur für Autobahnen angeboten werden, um im Lauf der folgenden Jahre Zug um Zug Landstraßen und schließlich den innerstädtischen Verkehr zu erobern.

Autos ohne Lenkrad kommen nicht vor 2025

So wie sich die Entwicklung von der heute üblichen Teilautomatisierung in Richtung Hochautomatisierung bewegt, dürfte sie zwischen 2020 und etwa 2025 dann den nächsten Schub erfahren und sich dem „vollautomatisierten“ Fahren annähern. Systeme, die dieser Definition genügen, wären dann wirklich autonom – der Fahrer müsste sich nicht mehr bereithalten, um bei Überforderung der Systeme die Fahraufgabe wieder selbst zu übernehmen. Entsprechend ausgelegte Fahrzeuge würden so lange selbstständig fahren, bis der Fahrer aus eigenem Antrieb wieder selbst ans Steuer möchte. Sofern ein Lenkrad dann überhaupt noch vorhanden ist – denn vollautomatisierte Fahrzeuge könnten auf diese Bedienelemente gegebenenfalls auch ganz verzichten. Ob es sich dabei dann noch um Autos im klassischen Sinne handelt, oder eher um Robotertaxis und autonome Kleinbusse, muss die Zukunft zeigen.

Klar ist jedenfalls: Mit jeder Generation werden die Assistenzsysteme in aufwändig ausgestatteten Fahrzeugen mehr leisten können. Manche Autokäufer werden diese Möglichkeiten begeistert nutzen. Es wird wohl aber auch immer Fahrer geben, die ihrem Fahrzeug so viel Autonomie entweder gar nicht oder nur in ausgewählten Situationen zugestehen wollen. Gute Nachricht für beide Parteien: Die freie Wahl zwischen beiden Optionen wird es wohl noch sehr lange geben.

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Hannes Rügheimer

Neben seiner Liebe zum Auto hat Hannes jede Menge Wissen im Bereich IT, Mobilfunk, Telematik und so weiter. Wenn eines der vielen Systeme, die es heute im Auto gibt, nicht tut, wie es soll: Hannes bringt es meist doch irgendwie zum Laufen. Deshalb hat sein privater Pkw auch so ziemlich alles, was es an Assistenz- und Infotainment-Systemen gibt.