header_guest.jpg

Hans-Henning Kiefer

04.10.2017

Flügelflitzer aus der Muckibude

Spoiler, Flügel, Diffusoren, Lamellen allenthalben, spitze Kanten, fette Endrohre. Darf ein Auto im Sinne des Design-Heiligen Pininfarina echt so aussehen? Nein, wenn's nur der Optik dient. Ja sicher, wenn es sich um die fünfte Generation von Hondas Civic Type R, der aufgepowerten  Kompaktlimousine, handelt. Unter dem Kopfschüttel- und Hingucker-Design steckt eine Kampfmaschine für den Race-Track, die sich aber auch komfortabel über Stadt- und Landstraßen chauffieren und auf der Autobahn so manch reinrassigen Sportwagen alt aussehen lässt. „Das Design war von Anfang an von der Aerodynamik geprägt“, sagt Entwicklungschef Hideki Kakinuma.

Der neue Civic ist 165 mm länger, 36 mm tiefer und 2 mm breiter als sein Vorgänger, der gerade einmal zwei Jahre im Programm war, während die Techniker um Kakinuma schon den neuen Sportler auf Basis des kompakten Civic arbeiteten. Die niedrigeren und breiteren Proportionen sorgen nicht nur für einen geräumigeren Innenraum, sondern auch für eine tiefere Sitzposition vorne.

Der schnellste Frontttriebler, der je die Grüne Hölle durchfahren ist

Der 2.0 VTEC-TURBO-Benzinmotor des Type R wurde ebenso optimiert wie das Ansprechverhalten und die Fahreigenschaften, während das präzise Sechsgang-Schaltgetriebe um eine automatische Drehzahlanpassung ergänzt wurde. Die Spitzenleistung des Turbomotors mit Direkteinspritzung beträgt 320 PS (235 kW) bei 6.500 U/min und das maximale Drehmoment liegt bei 400 Nm, das zwischen 2500 und 4500 Umdrehungen anliegt. Der Civic Type R benötigt für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h  5,7 Sekunden und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 272 km/h. Stolz sind sie bei Honda auf die Leistungswerte, die auf der Nordschleife des Nürburgrings erreicht wurden: „Mit sieben Minuten und 43,8 Sekunden ist der Honda Type R der schnellste Frontttriebler, der je die Grüne Hölle durchfahren ist“, sagt Entwicklungschef Hideki Kakinuma, bei der Vorstellung auf dem Lausitzring. Im Klartext: Durchschnittsgeschwindigkeit 161 km/h.

Das präzise Sechs-Gang-Schaltgetriebe stellt eine ideale Verbindung  zwischen Motor und Fahrer her. Ein neues Einmassenschwungrad verbessert dabei das Ansprechverhalten des Motors und reduziert das Trägheitsgewicht der Kupplung um 25 Prozent. Zusätzlich wurde die Übersetzung des Getriebes für mehr Leistung optimiert, um das Ansprechverhalten beim Beschleunigen zu optimieren. Eine automatische Drehzahlanpassung des Antriebsstrangs ermöglicht es, die Motordrehzahl beim Hoch- und Herunterschalten an die Geschwindigkeit der Hauptantriebswelle anzupassen. In den Benutzereinstellungen des Fahrzeugs kann die automatische Drehzahlanpassung ein- oder ausgeschaltet werden, unabhängig vom gewählten Fahrmodus.

Der Achsantrieb findet über ein äußerst reaktionsschnelles,  Sperrdifferential (LSD) statt, das selbst in engen Kurven für hervorragende Traktion sorgt. Der Fahrer kann zwischen unter drei Fahreinstellungen wählen: „Comfort“, „Sport“ und „R+“. Gut gefedert geht es bei „Comfort“ über Pflaster und Asphalt, wobei Fahrbahnunebenheiten nicht gänzlich unterdrückt werden. Fürs schnelle Fahren empfiehlt sich die Einstellung „Sport“, die das Fahrwerk und die Lenkung fester werden lässt. Noch giftiger wird es bei „R+“, der Einstellung für die Rennstrecke. Traktionskontrolle und elektronisches Stabilitätsprogramm können dabei ganz ausgeschaltet werden. Neben den brachialen Beschleunigungswerten überzeugt der Honda Civic Type R durch seine bei allen Temperaturen standfeste Brembo-Bremsanlage. 

Stilsicherer Innenraum

Aufgeräumt, übersichtlich und mit viel Platz für Fonds-Passagiere und Gepäck geht es im stilsicheren Innenraum zu. Sportsitze mit roten und schwarzen Akzenten geben optimalen Halt auch bei sportlicher Fahrweise. Die Mittelkonsole in glänzendem Schwarz wurde als „Technologiezentrum“, so Honda, gestaltet. Neben Ablagen, HDMI- und USB-Anschlüssen thront auf der Mittelkonsole ein farbiges Sieben-Zoll-Touchscreendisplay zur Bedienung von Infotainment-System und Klimaanlage. Außerdem lassen sich Apple Carplay und Android Auto integrieren. Die Instrumentenanzeige enthält sowohl virtuelle Anzeigen als auch einen umschaltbaren Bereich für eine Vielzahl unterschiedlicher Funktionen wie LED-Gangwechsel-Kontrollleuchte, Ladedruck-Anzeige, Beschleunigungs- und Rundenzeitmesser. Eine kombinierte Radar- und Kameratechnik sowie eine Vielzahl von Sensoren bilden die Basis für ein umfassendes Paket von Sicherheitsassistenten.

Dass es dabei im Innenraum geräuscharm zugeht, dafür sorgen drei Endrohre in der Mitte des Heckdiffusors. Die beiden äußeren Rohre sorgen für die Abgasströmung vom Motor, während ein kleineres Auspuffrohr in der Mitte den Motorsound moduliert. Hier wird im mittleren Drehzahlbereich der Druck negativ und Umgebungsluft angesaugt. Das verbessert die Geräusch- und Schwingungsdämpfung und beseitigt das Auspuffdröhnen, das sonst in den Innenraum dringen würde. „Form follows function“ also auch hier.

Karosserie und Fahrwerk 

Fünftürer mit fünf Sitzen und selbsttragender Karosserie. Benzinmotor und Schaltgetriebe für den Frontantrieb. 

Motor

2.0 VTEC-TURBO 

Vierzylinder Benzin

6-Gang-Schaltgetriebe

Verdichtungsverhältnis 9,8:1

Max. Leistung 320 PS (235 kW) bei 6.500 min

Max. Drehmoment 400 Nm bei 2.500 bis 4.500 min

Preis

36.050 Euro (GT: 38.430 Euro)

 

Kurzbiografie des Autors

Hans-Henning Kiefer. Geboren 1953 in der Grenzstadt Lörrach. „Mami“, „Papa“, „Opi“, „Vogaks“ sollen laut Mutter seine ersten Worte gewesen sein. „Vogaks“ steht übrigens für Großvaters Käfer, den der noch nicht mal Einjährige schon am Klang erkannte. Erste Fahrversuche mit Opas und Vaters Käfer.

Führerschein 1971, Segel-, Motorboot-Binnen und -Küste folgten, Fahrertrainings mit Porsche auf der Nordschleife des Nürburgrings, Testdrives auf Lausitzring, eindrucksvolle Mitfahrten mit dem Idol Walter Röhrl.

Journalist schon zu Schülerzeiten bei der örtlichen Badischen Zeitung, Redaktionsvertretungen nach dem Abi und in den Semesterferien, 5 Jahre Grund-, Haupt- und Sonderschullehrer. Zweistudium (Soziologie, Politikwissenschaft und Neuere Deutsche Literaturgeschichte), Redakteur 1985, Aufbau einer Lokalausgabe in Offenburg, Lokalchef, Redakteur in Freiburg, Spezialgebiet Mobiles Leben

Credo: Die Branche muss sich großen Herausforderungen stellen. Verbrennungsmotoren werden noch lange gebraucht. Es fehlt ein integriertes Verkehrskonzept, das Individualverkehr (zu Fuß, Rad, Automobil, Carsharing) mit dem öffentlichen (Bus, Bahn, Flugzeug, Schiff) intelligent miteinander verknüpft. Daran zu arbeiten wird noch richtig spannend. 

 

Bilder zum Vergrößern klicken


Guest Station

Die Guest Station ist quasi das Wohnzimmer von Guess Station. Oder die Lounge. Wir sind unterwegs, treffen auf interessante Menschen, kommen ins Gespräch. Und dann wollen wir die Inhalte natürlich nicht geheim halten, sondern mit unseren Lesern teilen. Schließlich bewegen uns täglich neue Probleme, die nach einer Lösung suchen. Oder zumindest nach einer klaren Ansage verlangen. Von Menschen, die mitten im Thema drin sind und auch etwas zu sagen haben. Also kommen Sie mal rein in die gute Stube. Hier wird diskutiert, analysiert und auch mal nicht ganz so bierernst über den Alltag nachgedacht. Welcome to our Guest Station.