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Jo Clahsen

19.02.2018

Zwei Sechser

Sechs Zylinder und Diesel? Geht doch. Bei Land-Rover und Jaguar wird der gleiche 3-Liter Power-Diesel verbaut, im Velar und im XF Sportbrake. Ist das noch zeitgemäß?

In den Sechzigern, also in der Zeit als die abspringende Katze die Motorhaube der Jaguars zierte, war es ein Reihensechser, der die kultigen Limousinen aus England voran trieb. Und als Krönung kam noch – das war damals eine Alleinstellung – ein genialer 12-Zylinder hinzu, wie er im E-Type bekannt geworden war. Der ab 1984 nur noch Double-Six genannte XJ galt unter Kennern als Krönung des Motorenbaus.

6-Zylinder, 700 Nm, Diesel

Aus diesen 12 in V-Form laufenden Töpfen sind im Zeitalter von Industrie 4.0 inzwischen sechs Zylinder geworden, die im aktuellen 3-Liter-Diesel 300 PS auf die Wellen schicken. Und mit das ist der 700 Newtonmeter so viel Druck besitzen, dass untertouriges Fahren gerne durch die 8-Gang-Automatik als spritschonendes Tool favorisiert wird. Und ein V6 braucht wirklich nicht gedrehorgelt zu werden, wenn schon bei 2.000 U/Min die volle Power von Herrn Newton anliegt.  Da bringt mehr Drehzahl wirklich nichts mehr, außer Lärm. Das macht gelassen und ist eine Anti-Burn-Out Medizin für User mit Sinn für Technik.

Wucht und Allrad im Diesel-Velar

Im Velar – so hieß der erste Range Rover bevor er den Namen Range bekam – macht der Diesel erst recht Sinn. Der Brocken, der sich zwischen Evoque und Range Rover Sport einordnet, kommt, auch wenn er 12 Zentimeter kürzer ist als der Range Rover, dem klassischen Bild und Gewicht eines Range Rover sehr nahe. Bei Testfahrten in Eppstein war er neben dem kräftigen Diesel mit 8-Gang-Automatik, duftigem Leder – das Teil der Option Quadrat ist und sehr lifestylig aussieht – und dem Touch-Duo genannten Doppel-Display ausgestattet. Da geht, bei technisch affinen Menschen, schnell mal eine halbe Stunden Zeit beim Spielen drauf. Gerade deswegen, weil fast keine Knöpfe mehr vorhanden sind, sondern zwei schicke Touch-Displays. Während der Fahrt ist allerdings das Ablenkungspotential sehr hoch. Also höchstens auf der dreispurigen, freien Autobahn zu empfehlen. Und auch nur, wenn die halbe Stunde Einspielzeit eingeplant war. Es sieht natürlich gut aus, weil es wie die Auto-Zukunft schlechthin daherkommt, sauber verarbeitet ist. Aber die Fingerabdrücke auf dem Schirm/ den Schirmen sorgen bald dafür, dass eine gute Portion Alltag einzieht.

Sport statt break. Für Diesel-User

Wechsel in den Sportbrake XF von Jaguar mit dem gleichen Power-Diesel. Hier kommt Heckantrieb zum Einsatz, was bei etwas übermütigem Gasbefehl schon mal die Hinterräder nach Halt suchen lässt. Aber wie im Velar ist auch im Sportbrake die Devise: slow und Low revvs. Keine Panik, keine Hektik. Genüßliches Gleiten ist Trumpf. Und der große Energieverbrauch kommt erst am Einsatzort des Sportbrake. Er schultert gerne zwei Bikes, Boards oder gar das Gepäck inklusive Sportgerät für die vierköpfige Familie. Auspacken und sich selbst auspowern. Schließlich sorgt der Activity Key dafür, dass nur Leichtgewicht mit zum Sport muss. Zurück und leicht in den Faszien braucht der Diesel höchstens ein Drittel seine Power einzusetzen, um alle wieder gemütlich nach Hause zu bringen.

Was bleibt, ist die Einsicht, dass mehr Brennräume gern als Diesel-Tool eingesetzt werden können. Denn, es liegt so reichlich und früh Druck aus niedrigen Drehzahlen an, dass Downsizing-Motoren im Vergleich nicht sonderlich weit nach vorne fahren können. Mit Velar und XF Sportbrake lagen die Verbrauchswerte bei einer Mischung aus Autobahn, Landstraße und kleinen Landsträßchen nur kurz oberhalb von sieben Litern.

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Jo Clahsen

„Jo“ lebt seit Jahrzehnten das Thema Auto. Dabei hat er nie die Fähigkeit zur Begeisterung verloren. Hauptsache, es geht voran. Auf der Rennstrecke, der kurvigen Landstraße, am Pass, auf der Autobahn. Am liebsten natürlich mit vielen Zylindern. Und entsprechendem Klang. Aber elektrisch findet er auch cool.