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Jo Clahsen

16.02.2018

Oslo, wo sonst?

Nissan lädt einmal jährlich zu den Nissan Furtures, um über Nachhaltigkeit, Ökosysteme und neue Produkte zu informieren. In 2017 traf eine internationale Journalistenschar in Oslo zum Nissan Futures 3.0 zusammen. Wo sonst?

Seit 1996 füllt der norwegische Staat einen Fonds, der zum Wohle aller Norweger angelegt ist. Die Quelle des Reichtums: Öl und Gas. Seit September 2017 fallen da für jeden Norweger etwa 195.000 Dollar als Sparguthaben an. Und der Fond hat die magische Grenze von einer Billion Dollar überschritten. Yngve Slyngstad, Chef der zuständigen Abteilung bei der norwegischen Zentralbank, bezeichnet das mit Fug und Recht als „Meilenstein“.

Oslo, das E-Mobility Mekka?

Für diverse weitere Meilensteine ist die Halbmillionen-Metropole Oslo ebenfalls bekannt. E-Mobile werde favorisiert und Parkplätze im Innenstadtbereich zusehends mehr in Ruhezonen für Fußgänger umgestaltet. Der Impetus ist klar: so lange Geld aus Öl und Gas in Strömen fließt, will die Bürgermeisterin Marianne Borgen dafür Sorge tragen, dass Oslo und Norwegen immer weiter in Richtung nachhaltige Mobilität zielen. Vorbild ist Kopenhagen, wo ein Großteil der Bürger mit dem Fahrrad zur Arbeit pendelt.

Nissan Leaf. Das meistverkaufte E-Mobil.

Nissan hat diese Nachricht verstanden. Nicht nur, dass die Japaner mit dem Leaf das meist verkaufte Serien-E-Mobil (300.000 Verkaufte) anbieten. Sie wollen auch weiterhin die Speerspitze im Kampf gegen Umweltverschmutzung und pro Futures darstellen. Dazu gehören neben dem neuen Leaf 2 Zero auch der elektrisch betriebene Transporter e NV200. Und der Aufbau einer Ladeinfrastruktur, die Schnellladestationen an den Straßen und Home Charger umfassen soll.

Paul Willcox, Chairman von Nissan Europe hat in Oslo die Ambitionen so zusammengefasst: „We are doing it and have been doing it for years.“ Er bezieht sich auf intelligente Mobilität, weil die Welt sich permanent ändert und deshalb auch markante Änderungen in unser aller Mobilitätsbedarf bedingt. 1.200 Ladestationen hat Nissan in Oslo installiert und europaweit sollen es bis 2019 mehr als 100.000  Schnelllader sein.

Elektrischer Lieferverkehr – die Lösung?

Willcox sieht aber noch weitere Ansatzpunkte. Wie er für Großbritannien feststellen konnte, nimmt der Verkehr mit leichten Transportern bis 3,5 Tonnen exponentiell zu. Das gilt für Europa allgemein. Und auch für Deutschland, wo in 2017 drei Milliarden Päckchen und Pakete zugestellt wurden. Für die „final mile“ (Willcox: From warehouse to your house) wäre es somit hoch interessant, den Lieferverkehr möglichst zügig auf emissionsfreie Fahrten umzustellen. Oder zumindest ein Großteil der Transporter mit Batterieantrieb einzusetzen. Von der deutschen Autoindustrie ist aktuell noch nicht viel zu erwarten, da wird es wohl 2019 oder 2020 werden, bis entsprechende Stückzahlen im Angebot sind. UPS hat eine homöopathische Stückzahl im Einsatz, auch andere Anbieter fahren mit kleinen elektrischen Flotten. Der deutsche Anbieter DHL suchte lange nach einem Anbieter. Und fand keinen. Das Ergebnis: Mit dem in Eigenregie und Kooperation mit der RWTH Aachen entwickelten Streetscooter sammelt DHL seit geraumer Zeit Erfahrungen im emissionsfreien Transportbereich. Nissan ist mit dem e NV200 auch schon länger im Einsatz, bietet den Kleintransporter als Zwei-, Fünf-, oder Siebensitzer sowohl für Carsharing als auch im Transportbereich mit knapp 700 Kilo Zuladung an. Und einer Reichweite von fast 300 Kilometern.

Sollte die final mile tatsächlich emissionsfrei stattfinden, kann man von Nissan und Oslo und Norwegen einiges lernen. Oslo sammelt die Kohle aus den Öl- und Gasgeschäften zur Absicherung der Mobilität nach dem Verbrenner. Das macht Sinn. Außerdem gibt es bei der Anlage des Geldes strenge Regeln, wie etwa die, keine Aktien von Waffenherstellern zu kaufen. Plus für den Staat: Drei Prozent der Erträge aus dem Billionen-Fond darf der Staat schon jetzt nutzen, um sich für eine nachhaltige Zukunft gut aufzustellen. Letztes Jahr waren es 2,8 Prozent. Sprich: Die Norweger meinen es ernst. 

Leaf 2 Zero – der erwachsene Stromer

Der neue Nissan Leaf kommt demnächst auch zu den Händlern. Er ist nicht nur erwachsener geworden, sondern hat jetzt auch eine längere E-Puste. Bis zu 300 Kilometer Strecke soll er in jedem Fall schaffen, rein theoretisch sollen es gar 400 plus sein. Die Form ist markanter geworden, der Cw-Wert durch geschickten Unterboden und besonders geformte Heckstoßstange mit 0,28 sehr effizient. Platz ist, zumindest vorne, genug in der Hütte. Hinten sollten die User kürzer sein, weil die Dachlinie markant abfällt. Selbst einparken kann er, hat ein, zwei Assistenten, die Sinn ergeben. Und er ist mit knapp 32.000 Euro nicht nur genauso teuer wie die Version 1, sondern liegt in etwa gleichauf mit BMW i3, e-Golf und Konsorten.

Was bleibt? Nissan hat die gesamte Kette in Angriff genommen, bietet mit dem Kleintransporter/Van/Kombi e NV200 und dem Leaf sowie ambitionierten Zielen bei den Schnelladestationen eine Lösung für E-Mobility. Und hat mit 300.000 bereits verkauften E-Mobilen auch genug Erfahrungswerte, um emissionsfreies Fahren weiter voran zu treiben. 

Und Oslo? Oslo ist ein bisschen unter Druck geraten. Der Sprung in Richtung E-Mobility war wohl etwas überhastet. Es gibt nicht genug Ladestationen für die zahlreichen Stromer. Und wenn man durch die Stadt fährt, so sieht man nach wie vor noch reichlich Verbrenner. Das wird sich vielleicht durch rigide Maßnahmen ändern. Parkplätze müssen in der Innenstadt weichen, um die nachts fast menschenleere Stadt wieder zu beleben. Parken im Parkhaus kostet ordentlich Geld. Und ein Ticket am Straßenrand ist bei geringfügiger Übertretung der Parkzeit schweineteuer. Es gibt also noch viel zu tun.

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Jo Clahsen

„Jo“ lebt seit Jahrzehnten das Thema Auto. Dabei hat er nie die Fähigkeit zur Begeisterung verloren. Hauptsache, es geht voran. Auf der Rennstrecke, der kurvigen Landstraße, am Pass, auf der Autobahn. Am liebsten natürlich mit vielen Zylindern. Und entsprechendem Klang. Aber elektrisch findet er auch cool.