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Jo Clahsen

08.02.2018

Wischen clicken drücken clicken ziehen schieben

Kompakt isser. 4x4 hatter auch. Und genug Pferde, um mal den Wintertanz aufzuführen, Natürlich auf abgesperrter Strecke. Auch wenn der Schnee sulzig ist und es mehr nach Wasserspringen als Schneewedeln aussieht. Dann man los.

Wischen, clicken, drücken, clicken, ziehen und schieben. So in etwa geht es ab, wenn der im März in die Läden rollende Volvo XC40 mal statt Gummi etwas Wheelspin auf die weiße Pracht bringen soll.

Vorbereitung für mehr Quer

Aber der Reihe nach. Motor läuft, das tabletoide Display ist „on“, der Rest ist noch im normalen N-Modus. Bevor wir aber im Salzburger Land den Kompakten zur Brust nehmen, wischen wir mal kurz mit der Fingerkuppe nach rechts und clicken entweder nur einmal, um das ESP auf Sport umzustellen. Oder wir clicken das elektronische Lasso gleich ganz aus. Drücken sollten wir dann rechts unterhalb des Displays auf den Fahrmodus-Schalter und mit einem erneuten Click auf „Dynamic“ umstellen. Dann noch am Wahlhebel weiter als D ziehen und harren, bis der Handschaltmodus im rechten Rundinstrument aufleuchtet. Und hier noch eben den 2. Gang reinschieben.

So, jetzt ist der junge Schwede vorbereitet. Auf das Gas-Kommando dreht er an allen vier 235er Walzen leicht durch, aber Grip ist da und es geht beim Benziner ordentlich voran. Erste Schikane. Langsam anfahren, damit die lenkende Vorderachse Grip aufbauen kann, dann zügig ans Gas und mit dem Gaspedal und dem Lenkrad den Winkel bestimmen, den sich der Kompakt-SUV zum Tanzen leisten darf. Da es aber wirklich etwas schwieriges Geläuf ist, mehr Wasser als Schnee in der Spur liegt, braucht es eine Aufwärmphase, um sich an den glitschigen Untergrund zu gewöhnen.

Bei RQ 7,5 wird es mit 4,42 Metern Länge eng

Aber dann kommt der XC40 sehr genüsslich quer, zerrt an seinem Vierradantrieb und lässt kaum Wünsche offen. Höchstens, dass eine mechanische Handbremse verbaut wäre, um mal einen geschmeidigen U-Turn hinlegen zu können. Gemäß Richtlinie für die Anlage von Straßen, Teil: Querschnitt (kurz: RAS-Q) sollte man auf Straßen mit bis zu 20.000 Fahrzeuge pro Tag nicht weiter als dreieinhalb Meter quer kommen, da man sonst im Gegenverkehr landet. Ist Straße nur als RQ 7,5 Meter ausgelegt, also da, wo man halt gerne mal mit einem Auto langfräst, sollte der Ausfallwinkel bei 4,42 Meter Gesamtlänge noch kleiner sein, um möglichen Kaltverformungen zu entgehen.

Der eingesprungene Doppelachsler

Auf dem abgesperrten Areal indes kann man erst einmal die Möglichkeiten ausloten und auch mal einen gewaltigen Rutscher mit ins Konzept einbeziehen, ohne gleich in die seitlich liegenden Schneeberge zu rammen. Der XC40 schiebt gerne mal über die Vorderachse, wenn der Pilot es zu mutig angehen lässt. hat man sich ans Gerät und den Untergrund gewöhnt, ist der Tanz auf dem Eis eine gute Option, um den Toeloop oder eingesprungenen Doppelachsler zu inszenieren. Das macht unsäglich Laune und zeigt, wie gut der Kompakt-SUV ausbalanciert ist. Außerdem ist es eine gute Gelegenheit, um sich mit den elektronischen Helfern – UND  – dem zugehörigen Ausschaltknopf vertraut zu machen.

Off macht an bei Schnee und Eis

Denn, wer Wischenclickendrückenclickenziehenschieben nicht umsetzen mag, merkt schnell, wie sehr wir schon auf dem Weg in Richtung autonomes Fahren unterwegs sind. Einen Versuch ist es wert, aber dann hat das Fahren auf Schnee und Eis nichts mehr mit eleganter Fortbewegung zu tun. Da greifen plötzlich die Regelkreise der Elektronik so gewaltig in den Vortrieb ein, dass der XC40 stuckernd und abs-bremsend ums Eck poltert und immer dann, wenn Gas spontan benötigt wird, noch im esp-isierenden Nirwana der Bits und Bytes gefangen gehalten wird.

Was lernen wir daraus? Das der XC40 auf gerader Strecke durchaus mal mit elektronischer Unterstützung fahren gelassen werden kann. Bis der Gong ertönt und man selbst wieder ins Lenkrad greifen muss. Aber wenn es Spaß machen soll, wenn Reibung nur dazu dient als Gleitreibung möglichst schön quer zu fahren, dann muss der Mensch denken und lenken. Hauptsache, die Helferlein sind abschaltbar. Und das sollte auch so bleiben.

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Jo Clahsen

„Jo“ lebt seit Jahrzehnten das Thema Auto. Dabei hat er nie die Fähigkeit zur Begeisterung verloren. Hauptsache, es geht voran. Auf der Rennstrecke, der kurvigen Landstraße, am Pass, auf der Autobahn. Am liebsten natürlich mit vielen Zylindern. Und entsprechendem Klang. Aber elektrisch findet er auch cool.