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Jo Clahsen

24.07.2017

M & M

Der eine M ist ein Showtalent mit M-Paket und Stoffmütze. M Nummer zwei ist ein Performer. Die Frage ist: Was ist die beste Kombination beim BMW 2er und beim Angebot an M-Mobilen. 

Botox? Kaum, es sollen ja keine Falten rausgebügelt werden, sondern nur hie und da ein paar Fältchen mit Chrom umrandet oder die markentypischen Nieren an der Front minimal geschliffen werden. Und LED-Lampen vorne wie hinten installiert werden. Schließlich ist der Zweier vom 218i mit den drei Zylindern und Twin-Turbo bis rauf zum 240i (Ex 235i) mit dem ebenfalls doppelt beatmeten Reihensechser schon eine Weile (Coupé November 2013 und Cabrio September 2014) auf dem Markt. Und wie es sich für ein Facelift gehört, ist es hauptsächlich Schminke. Überarbeitete Air-Intakes hie und leicht veränderte Luftausströmer am Armaturenbrett da. Mehr nicht?

Der Reihensechser hat ein paar Pferde mehr 

Aber selbstverständlich. Der 6-Zylinder-Reihenmotor hat, wie auch der Vierzylinder-Diesel, noch ein paar Pferde mehr unter der Haube. Das ist ja inzwischen bei der Gesichtspflege gang und gäbe. Überall bisschen mehr. Mehr Drama, mehr Farben, mehr Elektronik, you name it. 

Apropos Diesel. Der tut gut. Ist Euro 6, hat Start-Stop und Rekuperation eingebaut. Und ist effizient. Da muss man jetzt das Dorf mal nah bei der Kirche lassen. So lange Industrie und Handelsschifffahrt sowie Braunkohlekraftwerke ungestüm ihre Schwaden in die weite Welt pusten, muss man dem Diesel nicht die Kerze ausblasen wollen. Das hat nichts mit der Sache zu tun, dass aus betrügerischer Absicht Software eingebaut wurde, die den Städten die Luft zum Atmen nimmt. Es gibt Motoren, die gesetzeskonform sind. Und es gibt hohe Hürden für kleine Betriebe, die ebenfalls wirksame Lösungen entwickelt haben. Da ist es eher kontraproduktiv, mit der großen Keule und ohne ausreichende Argumente den Rundumschlag auszuführen.

Das 2er Cabrio ist ein Kopfverdreher, wenn’s offen ist.

Das 2er Cabrio mit dem 220d und 190 PS ist zunächst mal chic in Schale geworfen und offen ein Kopfverdreher für Singles und junge Paare. Bis die Kinder kommen und aus dem Gröbsten raus sind, macht das Cabrio eine tadellose Fuhre für Kurz-, Mittel- und Langstrecke. Dabei spielt die Achtgang-Steptronic eine Mehrfachrolle je nach Fahrmodus. Im Eco-Pro flutschen die Stufen untertourig durch und nutzen die Tatsache, dass die 400 Newtonmeter schon bei 1.750 U/min anliegen. Beim Sport oder Sport+-Modus geht dafür die Feuerwehr erst bei knapp 5.000 U/min mit dem C-Rohr raus und wirft den nächsten Gang in den Ring. Lenkung, Dämpfung und andere Parameter stellen sich dabei den neuen Gegebenheiten, wie man es bei BMW gewohnt ist.

Das neue Head&Shoulders ist erst nächsten Monat fällig.

Das Öffnen und Schließen der Stoffmütze dauert ungefähr so viel Zeit wie man benötigt, um sich eine Kippe aus dem Päckchen zu schütteln und mit dem Zippo oder Bic anzuzünden: 18 Sekunden. Zu etwas länger. Also lässt man die Kippe stecken und dafür den Wind mit den Haaren spielen. Alle Scheiben unten, das Windschott im Kofferraum bedeutet, das neue Head & Shoulders ist erst nächsten Monat fällig. Natürlich zappeln dann auch die Sicherheitsgurte an der Verankerung, wenn’s etwas zügiger voran geht. Aber dafür ist der warme Wind wie eine Balsam-Body-Lotion auf der Haut.

Bei 33 Grad lieber ein Auto mit Dach und Klima

Gut, bei 33 Grad Außentemperatur kommt man leicht in Versuchung, ein Auto mit Dach und Klima zu bevorzugen, weil Schweißflecken unter den Achseln nicht sonderlich sexy sind. Also wechseln wir in den 240i xDrive, der jetzt mit 340  PS (250kW) dem ungeschminkten Vorgänger 235i mit 14 PS mehr die Stirn bietet. Grau ist die Außenhaut, wie Granit. Schwarz sind die 18-Zöller, die neu im Angebot sind. Kurzum: ein fulminanter Anblick, der durch M-Logos und ein xDrive auf dem Heck klar und unmissverständlich rüber bringt, dass er – im Gegensatz zum M2 – ein „Performer“ ist. Also ein schneller Schlitten, der dem M2 die Abteilung Racing überlässt.

Im Normal-Modus gibt er den kräftigen Sportler

Natürlich zuckt nach Einstieg, Spiegel- und Sitzjustage sowie Start des Sechser gleich mal der Finger zum Fahr-Modus-Schalter. Aber der Reihe nach. Es sind nämlich gleich mehrerer 2er, die man mit dem Kauf der 240i ins Haus holt. Im Normal-Modus spielt er den kräftigen Sportler, aber nicht so, dass er vor lauter Kraft kaum gehen kann. Im Eco-Modus schauspielert er den gelangweilten und unterforderten Top-Athleten, der mit einem Zehntel seiner Kraft alle Gegner hinter sich halten kann. Erst bei Sport oder Sport+ (gerne auch als Launch-Control) ist er was für Petrol Heads. Drehfreudig, gierig und sonor durchatmend bleibt er in den mittleren Drehzahlbereichen. Brüllend aggressiv erst in der Region der 7.000 U/Mins.

Erst bei Sport+ lässt er das Heck ein wenig mittanzen

Die Sitzposition ist gut „drin“, die Lenkung sehr präzise und direkt, das Fahrwerk sauber auf Performance abgestimmt. Und mit dem Vierradantrieb ist er auch so gut wie gar nicht aus der Fassung zu bringen. Erst bei Sport+ lässt er das Heck ein wenig mittanzen. Dazu passt das gesamte Interieur, das hier und da etwas aufgehübscht worden ist, den Armaturenträger etwas mehr in Richtung Pilot geneigt hat. So ist konzentriertes Fahren ein Genuss, weil bei allen Funktionen und Handgriffen die Wege kurz sind. Und: Gott sei Dank muss man noch nicht mit den Händen wischen, um neue Einstallungen zu erzeugen. Geht noch mit Direktwahltasten oder über das erweiterte iDrive-Gebilde. 

Und so kommt, was kommen muss: das Geld. Wenn ich auf die eingangs gestellte Frage zurückblicke, sagt mein Herz natürlich ja zum Cabrio. Und ja zum 240i. Das würde unterm Strich auf 52.500 Euro kommen. Ohne die schwarzen Felgen im 18 Zoll-Format, aber mit dem sahnig-sehnigen Reihensechser. Mit Vierradantrieb wären es gar fast 56.000 Euro. Da der 218i gar nicht in Betracht kommt, müssten mindesten 40.300 Euro auf dem Tisch des Hauses liegen. Auch ganz schön happig.

Wenn das Gespons dann aber Angst vor Faltdach und Überschlag hat, ist das Coupé die nächste Option. Natürlich auch hier wieder 240i und xDrive, was „nur“ 51.100 kosten würde. Und als Diesel 220d? Sind es 40.700 Euro. 

Zwei Herzen schlagen, ach, in der Brust. Die drängelnd-fröhliche Performance des 240i obsiegt über den Heizölcharme des 220 Diesel. Aber unter uns: Wo zum Teufel kann und darf man überhaupt noch solche Powerbolzen wie den 240i fordernd bewegen? Mit eingeschaltetem Radarwarner auf Landstraßen. Oder auf der Rennstrecke.

Also als Kompromiss den 225d mit 224 PS? Ach nöö. Ich kann mit dem 240i ja so oft wie möglich im EcoPro fahren und nur dann mal beißen, wenn mich der Hafer sticht. Also sechs bis sieben Mal die Woche.

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Jo Clahsen

„Jo“ lebt seit Jahrzehnten das Thema Auto. Dabei hat er nie die Fähigkeit zur Begeisterung verloren. Hauptsache, es geht voran. Auf der Rennstrecke, der kurvigen Landstraße, am Pass, auf der Autobahn. Am liebsten natürlich mit vielen Zylindern. Und entsprechendem Klang. Aber elektrisch findet er auch cool.