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Frank Mühling

12.05.2017

Porsche 911 GT3 – Für echte Racer

Alle Welt diskutiert über die neuen Biturbo-Motoren für den 911er Porsche. Statt Hubraum nun also Downsizing plus Aufladung – ganz dem Trend der Zeit folgend, wie bei jedem schnöden Drei- oder Vierzylinder. Servus, ihr Saugmotoren. Gut oder schlecht? Man wird sehen.

Bis zu einer finalen Entscheidung fahre ich mit dem letzten Hardcore-Saugmotor-Elfer: Dem 911 GT3. Drehzahl statt Downsizing heißt die Devise. Ein Motor für echte Männer. 3,8-Liter-Sechszylinder-Boxer mit 475 PS, von null bis 100 km/h in 3,5 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 315 km/h. Natürlich nur mit Heckantrieb, garniert mit einer elektronisch geregelten Hinterachssperre, damit möglichst wenig von der Power in Rauch aufgeht.

Zugreifen, so lange es so etwas noch regulär zu kaufen gibt. Aber bitte zu den 141.278 Euro, die der Porsche GT3 kostet, zusätzlich 1.650 Euro einplanen. So viel kostet eine Jahreskarte für die Nürburgring-Nordschleife.

Rein in den asketischen Innenraum. Keine Sitzheizung, dafür Schalensitze: Nur in der Länge justierbar, mit fix verschraubter Lehne. Da hatten ja die Sitze meines ersten 72er Käfers mehr Verstellmöglichkeiten – und dennoch bin ich im VW um Welten schlechter drin gesessen als heute im Porsche. Kein Tempomat, dafür ein Wildlederbezug auf dem Lenkrad. Dieser Porsche macht nicht krampfhaft auf Rennstrecke. Er ist direkt vom GT3 abgeleitet, der im Carrera Cup und sonstwo um Pokale und Lorbeeren kämpft. Das spürt man schon beim Losfahren: Das PDK-Getriebe klingt im Stadtverkehr wie eine Körnermühle, macht dafür, wenn man den Neunelfer richtig fliegen lässt, mehr Spaß als die Müslizubereitung. Aberwitzig schnell klopft es die sieben Gänge rein. Und dann erst der Motor! Bis 9000 Touren dreht der Boxer, läuft wie eine Turbine, klingt aber zehnmal besser. Der Saugmotor wartet hechelnd auf einen schweren Gasfuß und schiebt den Zweisitzer mit Macht gen Horizont. Dazu passt die Lenkung: Wie ein schnüffelnder Terrier wartet die Vorderachse gierig auf jeden Einlenkbefehl. Miese Straßen – und davon gibt es leider immer mehr – ziehen die dicken Sportreifen aber in jede Rille. Da heißt es feste zupacken. Der Speed in Kurven liegt weit jenseits aller Vorstellungskraft. Grip bis zum Abwinken – doch der nächste Abflug kommt bestimmt, also Aufpassen. Die Grenzen dieses Porsche im normalen Straßenverkehr auszuloten, scheint ähnlich sinnvoll zu sein, wie mit einer Bulldogge auf dem Sofa zu kuscheln. Kann gut gehen, muss aber nicht.

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Frank Mühling

Frank hat schon alles gemacht, was mit Auto zu tun hat. Er kann TV, Autor und Freelance. Frank liebt die „Kracher“, steigt aber auch gerne mal in einen Kompakten. Zudem hat er ein Händchen für Gebrauchte. Und Young- sowie Oldtimer. Er fährt, trotz mehr als 190 Zentimeter Länge, auch gerne mit seiner alten Honda Dax.