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Frank Mühling

13.02.2017

Honda Civic Type R – Alles auf Anfang

Jedes Kind kennt das GTI-Treffen am Wörthersee. Ob es etwas Vergleichbares für sportliche Hondas gibt? Vermutlich ja, insbesondere in Japan. Was das miteinander zu tun hat? Egal ob GTI-Fan oder Type R-Maniac – beide Gruppen gelten als eingefleischte PS-Afficionados, die sich gerne mit Gleichgesinnten über ihren röhrenden Schätzchen austauschen. 

Doch die Japan-Jünger mussten sich gedulden. Lange Zeit gab’s kein frisches Nippon-Blech mit viel Leistung. 2010 wurde der letzte Civic Type R ausgeliefert. Mit 201 PS bei 7800 Umdrehungen flötete der Saugmotor das kernige Lied der hohen Drehzahlen. Oldschool at it’s best. Aber bei den Kompakten sind 201 PS schon lange nicht mehr der Burner. So viel leisten längst die kleinen Wilden wie Mini, Polo und Corsa. Kaum vergehen fünf Jahre, steht schon der Nachfolger parat. Wird, was lange währt, auch endlich gut? Optisch macht er gewaltig auf dicke Hose und orientiert sich am Racer aus der Tourenwagen-Weltmeisterschaft WTCC. Mit 310 PS ist der neue Top-Civic immerhin der stärkste Fronttriebler. Turbo ist ein Muss, logo, aber neu für Honda. Wie in der Formel 1, wo der weltgrößte Motorenhersteller noch ein paar Hausaufgaben zu lösen hat. 

Es geht vorwärts. Und zwar mit Schmackes

Dafür haben die Japaner beim neuen Type R den Job mit der Traktion gut gelöst. Eine aufwändige Vorderachs-Kinematik und die mechanische Sperre sorgen dafür, dass die Kraft nicht in blauen Wolken verpufft. Es geht vorwärts, und zwar mit Schmackes! Nach 5,7 Sekunden sind 100 km/h erreicht, die Topspeed von 270 schafft in dieser Klasse keiner. Je glatter die Straße, desto besser: Der Civic zoomt sich gripstark um die Ecken. Auf welligen Landstraßen spürt man hin und wieder im Lenkrad, dass 400 Newtonmeter an der Vorderachse reißen. Allrad? DSG-Getriebe? Nix, das überlassen die Japaner den anderen. Trotz variabler Dämpfung: Das Fahrwerk ist zu hart abgestimmt. Es gibt eine R+ Taste, die macht’s noch knackiger. Eine Schwiegermutter-Taste sucht man vergeblich. Der Preis ist heiß: 34.000 Euro sind ein Wort. Options-Liebhaber freuen sich über Schnickschnack wie farbige Blenden für das Handschuhfach, doch ein wesentliches Extra fehlt: Ein Klappenauspuff à la A 45 AMG. Hier müssen wohl die Herren Akrapovic oder Sebring ran. Der Vierzylinder-Turbo dröhnt zwar laut vor sich hin, aber wer den Tourenwagen-Sound des alten Saugers noch im Gehörgang hat, wird enttäuscht sein.

Nicht alles bleibt anders. Honda folgt dem Mainstream. Der neue Civic Type R geht wie der Teufel und klebt höllisch auf dem Asphalt. Aber der Turbo klingt alles andere als himmlisch.

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Frank Mühling

Frank hat schon alles gemacht, was mit Auto zu tun hat. Er kann TV, Autor und Freelance. Frank liebt die „Kracher“, steigt aber auch gerne mal in einen Kompakten. Zudem hat er ein Händchen für Gebrauchte. Und Young- sowie Oldtimer. Er fährt, trotz mehr als 190 Zentimeter Länge, auch gerne mit seiner alten Honda Dax.